Jüdisches Leben: Schwäbisch Hall

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Synagoge aus Unterlimpurg und die Steinbacher "Frauenschul"

Mit der Vertäfelung des Unterlimpurger Betraums, den der jüdische Wandermaler Elieser Sussmann 1738/39 schuf, und den Paneelen der Steinbacher "Frauenschul", die Sussmann wahrscheinlich zur selben Zeit bemalt hat, sowie einer Laubhütte von 1882 verfügt das Museum über eine Abteilung zu Leben und Kultur speziell der Landjuden, die europaweit ihresgleichen sucht. Texte und Bildmaterial geben einen Überblick über den ehemaligen Rabbinatsbezirk Braunsbach-Schwäbisch Hall und stellen diesen in Zusammenhang mit der württembergisch-jüdischen Geschichte dar. Zur Vertiefung des Themas sind im Ausstellungsraum verschiedene visuelle Medien und eine Auswahl von Fachliteratur einsehbar.

Die Steinbacher "Frauenschul"

In Schwäbisch Hall-Steinbach befand sich in einem jüdischen Wohnhaus eine Zimmersynagoge, deren Holzvertäfelung wahrscheinlich um 1738 von dem polnischen Wandermaler Elieser Sussmann farbig gefasst wurde. Der Maler arbeitete etwa zur gleichen Zeit im benachbarten Unterlimpurg, wo er ebenfalls einen Betraum ausgestaltet hat. Nach der Stilllegung der Steinbacher Synagoge zu Beginn des 19. Jahhrunderts wurden die bemalten Holzpanele in dem Haus anderweitig verbaut. Reste davon konnten bei Sanierungsarbeiten im Dachgeschoss geborgen werden. Der Historische Verein für Württembergisch Franken erwarb die noch vorhandenen Bretter für das Hällisch-Fränkische Museum, das die Paneele in der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart restaurieren und deren ursprüngliche Anordnung rekonstruieren ließ. Wie sich herausstellte, war fast die komplette Vertäfelung der Frauenseite der Steinbacher Synagoge erhalten geblieben.

Toraschmuck aus dem 19. Jahrhundert

Ein hochwertiger Toraschmuck vom Beginn des 19. Jahrhunderts ergänzt die jüdische Abteilung um ein weiteres kunsthistorisches und kulturgeschichtliches Highlight. Der Toraschmuck ist seit Generationen im Besitz der jüdischen Familie Stein und hat diese über verschiedene Stationen und Schicksale begleitet. Einige Mitglieder der Familie Stein lebten seit dem Ersten Weltkrieg bis 1934 in Hall, von wo aus sie vor den Nationalsozialisten flohen und nach Palästina auswanderten. Der Toraschmuck kehrt nun als Leihgabe nach Hall zurück und ist damit auch ein Zeichen für die neu geknüpften Beziehungen zwischen Schwäbisch Hall, seinen Bürgern und den Nachkommen der in der NS-Zeit vertriebenen Juden.

Misrach

Das hebräische Wort Misrach bedeutet Osten und bezeichnet zugleich die Gebetsrichtung der Juden nach Osten. Daneben wird der Begriff auch für eine Bildtafel verwendet, die zur Anzeige der Gebetsrichtung an der Ostwand einer Wohnung angebracht ist. Die in kräftigen Farben gehaltene Misrach wurde am 16. Juni 1891 von Lezer (Eliezer), Sohn des Pfeifer Ber, Vorsänger in Crailsheim, geschrieben. Die wie auf einem Schachbrett angeordneten Buchstaben ergeben sowohl senkrecht wie waagrecht gelesen die Worte: "Wahrheit / aus der Erde / sie wird blühen" (Psalm 85/12).

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